Lebenswelt Gefängnis

 

Kriminell. Verurteilt. Und was dann?

Zur Zeit verbüßen etwa 70.000 Menschen in der Bundesrepublik eine Freiheitsstrafe. Der Weg in den Strafvollzug ist ein tiefer Einschnitt im Leben eines Menschen.Vorangegangen ist für etwa 60% der Inhaftierten eine viele Monate dauernde Untersuchungshaft. Sie war geprägt von quälender Ungewissheit über das künftige Leben.

Nach dem Prozess und der Urteilsverkündung müssen Straftäter dann in der Strafhaft in einer fremden Umgebung zurechtkommen. Die Menschen „draußen“ haben in der Regel keine Vorstellung davon.

Inhaftierte müssen die schwierige Haftsituation meistern, die gesellschaftliche Ausgrenzung und den Abbruch von Beziehungen verkraften, sich in der Insassenhierarchie zurechtfinden und mit den Reglementierungen des Vollzugs klarkommen.

Nach außen und auch innerhalb eines Gefängnisses herrscht das Prinzip der Isolation. Der Strafvollzug bestimmt Inhaftierte in allen Lebensbereichen.

In der streng hierarchischen Anstaltsstruktur können vertrauensvolle oder gar freundschaftliche Beziehungen kaum entstehen. Inhaftierte schaffen es immer weniger, mit Gegebenheiten und Anforderungen der Außenwelt zurechtzukommen. Es findet ein  „Verlern-Prozess“ statt. Je länger dieser Prozess dauert, je weniger Kontakt ein Inhaftierter mit der Außenwelt hat und je geringer die Lernmöglichkeiten während der Haft sind, desto größer wird die Angst vor der Entlassung.

Nach der Haftzeit werden Straffällige häufig in eine ungesicherte Situation entlassen: Ohne Wohnung, ohne Arbeit, ohne hilfsbereite Menschen scheitern die meisten bei dem Versuch, ihr Leben ohne erneute Konflikte mit der Justiz in den Griff zu bekommen. Die gleichgültige oder ablehnende Haltung der Gesellschaft verstärkt zusätzlich die Rückfallgefahr in die Straffälligkeit.

 

Lesen Sie in unserem Blog Erfahrungsberichte aus dem Gefängnis:

Zwölf Mal Weihnachten hinter Gittern

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