Vor Ort

 

Projekte in der Jugendanstalt Hameln

 

Wie können wir  jugendliche Inhaftierte dabei unterstützen, ihr Leben aktiv in die Hände zu nehmen und ihm eine neue, positive Ausrichtung zu geben?

 

Diese Frage beschäftigt uns in unserer Zusammenarbeit mit der Jugendanstalt Hameln. Überlegungen dazu:

  • Die Hilfe sollte für die Inhaftierten außerhalb des normalen Alltags stattfinden und mit einem besonderen Erlebnis verbunden sein.
  • Sie sollte die Inhaftierten vor allem auf das spätere Leben in Freiheit vorbereiten.
  • Viel reden ist bei jungen Männern nicht angesagt, und „von oben“  belehren lassen sie sich erst recht nicht gern. Also lieber gemeinsame Aktionen, bei denen man sich auf Augenhöhe begegnet, Erfahrungen sammeln kann und die allen Beteiligten Spaß machen.
  • Menschen von „drinnen“ und „draußen“  sollen Vorbehalte und Ängste abbauen; Beziehungen sollen entstehen, auf denen man aufbauen kann.

Im Laufe der Zeit haben sich die Angebote entwickelt und verändert. Sie finden Sie unten in umgekehrter chronologischer Reihenfolge.

 

 

In der letzten Zeit hat sich eine Gruppe herausgebildet: Inhaftierte aus dem Offenen Vollzug  treffen sich alle zwei Wochen mit Ehrenamtlichen des Schwarzen Kreuzes zu gemeinsamen Unternehmungen. Einmal im Monat planen sie dabei größere Aktionen. Einige davon finden Sie hier:

Wanderung zum Süntel

Wandern im Weserbergland

Arbeitseinsatz im Museumsdorf Börry

Waffelverkauf auf Stadtteilfest

Und als „Bonusmaterial“: „Inhaftierte wollen auch mal der Gute sein“ – Gedanken von Anstaltsleiterin Christiane Jesse

 

 

 März 2013: „Derselbe Arbeitseifer wie im letzten Jahr“

Mit spürbarer Begeisterung hatten Inhaftierte der Jugendanstalt Hameln 2012 geholfen, das Naturbad Lauenstein wieder fit für die Badesaison zu machen. In diesem Jahr kamen von insgesamt 40 Helfern sieben aus der Jugendanstalt Hameln. Dazu Wolfgang Schünemann, Vorsitzender des Trägervereins:

„Wieder konnten wir nur staunen.  Die Jungs waren andere, aber derselbe Einsatz, derselbe Arbeitseifer wie im letzten Jahr! Es war offensichtlich, dass sie sich freuten zu zeigen, was sie konnten. Einer zum Beispiel stemmte einen sieben Meter langen Mast in die Höhe.

Wir Vereinsmitglieder hatten vorher miteinander abgesprochen, dass wir sie behandeln wollten wie die anderen auch; ohne tiefergehende Fragen zu stellen, die ihnen unangenehm sein könnten. Wir wollten einfach zusammen Kameradschaft erleben. Wir wünschen uns, dass sie so gut es geht wieder im normalen Leben Fuß fassen. Dazu möchten wir mit dieser Aktion beitragen.

Wieder selbst mit angepackt hat auch Ulrich Victoria, der das Ganze von der Jugendanstalt Hameln aus organisiert hat. Bemerkenswert, was für ein tolles Verhältnis er zu den Inhaftierten hat!“

 

 

Oktober 2012: Wandern bei Bad Pyrmont

Fünf junge Inhaftierte der Jugendanstalt Hameln und fünf Frauen und Männer von „draußen“ schultern ihre Rucksäcke und machen sich für einen Tag auf ins Umland von Bad Pyrmont. Eigentlich hätte es ganzes Wanderwochenende werden sollen, aber das geht nur in Begleitung eines Beamten der Jugendanstalt  – und der hat sich kurz zuvor das Knie verletzt. So wird immerhin ein prall gefüllter Sonnabend daraus: Gemeinsames Frühstück, tagsüber wandern und zum Entspannen der strapazierten Muskeln ein Besuch in der Hufeland-Therme.

Einige Rückmeldungen von Teilnehmern finden Sie hier.

 

 

März 2012: Ein Schwimmbad wird frühlingsfit

Das Naturerlebnisbad Lauenstein muss fit für die Saison gemacht werden. Das bedeutet, das Becken vom Schlamm zu befreien, Sträucher zu beschneiden, einen Steg  zu reparieren…

Eine umfangreiche Aufgabe, die die meist älteren Ehrenamtlichen des Trägervereins nicht allein bewältigen können, und dazu „harte Knochenarbeit“, so Wolfgang Schünemann, Vorsitzender des Vereins. Also packen junge Männer aus der Jugendanstalt mit an, dazu  Otfried Junk und einige Ehrenamtliche des Schwarzen Kreuzes.

Die Vertreter des Trägervereins staunen, wie gut und zügig den Jugendlichen die Arbeit von der Hand geht. Denen tut die Anerkennung und Dankbarkeit sichtlich gut. Für Otfried Junk ist dies ein Paradebeispiel einer gelungenen Aktion: Gestiegenes Selbstwertgefühl bei den Inhaftierten, Anerkennung von außen, Abbau von Vorurteilen bei Menschen von „draußen“ und neue Beziehungen, auf denen man aufbauen kann. Und das Ganze mit überschaubarem Aufwand.

Nicht zu vergessen: eine frisch überholte und saubere Schwimmbadanlage.

Unseren Blogbeitrag mit Presseberichten lesen Sie hier.

 

 

Oktober 2011: Zum ersten Mal im Wald

Eine Reihe neuer Projektwochenenden startet mit Wandern im Harz. Über einen Zeitungsaufruf sind ehrenamtliche Begleiterinnen und Begleiter schnell gefunden; zwei Bedienstete der Jugendanstalt kommen ebenfalls mit. Ein, zwei gemeinsame Treffen zur Vorbesprechung, und dann geht es mit dem Rucksack in die Berge.

Als Gruppe zusammenhalten, an die eigenen Grenzen kommen, durchhalten, Ausblicke genießen und schließlich abends alle Viere von sich strecken – das betrifft alle, Inhaftierte wie Begleiter. Die gemeinsame Anstrengung führt zu intensiven Begegnungen.

Deutlich wird wieder einmal, was für Defizite Inhaftierte oft mitbringen. Einer der jungen Inhaftierten kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: „Ich war bisher noch nie in einem richtigen Wald!“

Lesen Sie hier dazu unseren Blogbeitrag mit Presseberichten.

 

 

2009 bis 2010: Auch einmal Gastgeber sein

Einmal im Monat bieten wir an einem Samstagnachmittag eine Veranstaltung in der sozialtherapeutischen Station in der Jugendanstalt Hameln an. In Zusammenarbeit mit engagierten Mitarbeitern der Anstalt gestalten drei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Irmtraud Meifert aus der Geschäftsstelle dieses Angebot.

Die  Zeit an den Wochenenden steht den jungen Inhaftierten zur (relativ) freien Verfügung. Wir möchten ihnen dabei helfen, diese freie Zeit zu gestalten, und zwar mit gemeinsamer Aktion  – aus der sich dann Gespräche über individuelle Fragen ergeben können. Einige, die wirklich niemanden mehr haben, brauchen in dieser Zeit dringend eine Einzelbetreuung, jemanden für „sich ganz alleine“.

„Es ist Samstag und man spürt: irgendetwas liegt in der Luft. In der Abteilung wird geplant, wer was macht. Es werden Tische gerückt, Stühle herbei geschafft, Geschirr aufgedeckt, Kaffee gekocht. Man möchte vorbereitet sein – es kommen Gäste! Gäste, auf die man sich freut, die Neuigkeiten zu berichten haben, die erst mal nicht danach urteilen, weshalb
man „sitzt“, die einen erst mal so nehmen, wie man eben ist. Man kann ein bisschen unbeschwert sein – mit sich, den Gästen und den anderen der Abteilung.“ (Katrin Heine, Allgemeiner Vollzugsdienst der Jugendanstalt)

Mehr dazu lesen Sie auf Seite 4 in folgender Ausgabe unserer Zeitschrift ÜberKreuz.